Netphen 12-05-26 NE Am gestrigen Abend fand im evangelischen Gemeindehaus in Netphen eine Informationsveranstaltung zur voraussichtlichen Schließung des Friedhofs in Netphen statt.
Auf der Homepage der evangelischen Kirche hieß es im Vorfeld: „Darum laden wir alle Nutzungsberechtigten an Grabstätten ein zu einer Informations-veranstaltung.“
Im Verlauf der Veranstaltung wurde jedoch deutlich, dass zahlreiche Nutzungsberechtigte keine direkte Einladung durch die Kirchengemeinde erhalten hatten, sondern erst über die Presse von dem Termin erfahren hatten. Einen konkreten Grund dafür konnte das Presbyterium nach eigenen Angaben nicht nennen.
Pfarrer Münker begrüßte rund 200 Besucherinnen und Besucher. Bereits zu Beginn wurde der Unmut über die unvollständige Information der Betroffenen aus dem Publikum deutlich. In seinen Ausführungen erklärte Pfarrer Münker, dass der Friedhof bereits seit mehreren Jahren nicht mehr kostendeckend betrieben werden könne. Das entstandene Defizit sei bislang aus Haushaltsmitteln der evangelischen Kirchengemeinde ausgeglichen worden. Dabei wurde darauf hingewiesen, dass die Haushalte der Kirchengemeinde und des Friedhofs getrennt geführt würden.
Das jährliche Defizit habe sich seit 2021 kontinuierlich erhöht. Auch auf Druck des Kirchenkreises habe das Presbyterium schließlich beschlossen, den Friedhof zum 31. Dezember 2026 stillzulegen. Superintendentin Kerstin Grünert bestätigte, dass die finanzielle Situation des Friedhofs bereits seit längerer Zeit Thema gewesen sei. Der Kirchenkreis habe Anfang 2026 darauf gedrungen, keine weiteren Mittel aus dem Haushalt der Kirchengemeinde für den Friedhof bereitzustellen.
Während der Veranstaltung wurde klargestellt, dass bestehende Grabstätten bis zum Ablauf der jeweiligen Liegezeiten erhalten bleiben sollen. Neue Bestattungen seien ab sofort nur noch in Urnengräbern möglich. Bereits erworbene, aber noch nicht genutzte Grabstätten sollen rückabgewickelt und die gezahlten Beträge erstattet werden.
Dies bedeutet auch, dass künftig keine gemeinsamen Bestattungen mehr möglich sein könnten, wenn ein Ehepartner bereits auf dem Friedhof beigesetzt wurde. Diese Regelung sorgte für deutliche Unruhe unter den Anwesenden. Eine Besucherin äußerte unter anderem: „Meine Eltern waren 60 Jahre zusammen und sollen nun im Tod nicht mehr zusammen sein.“
Nach Angaben von Pfarrer Münker habe die Kirchengemeinde bereits Gespräche mit der Stadt Netphen aufgenommen, um eine mögliche Übernahme des Friedhofs durch die Stadt zu prüfen. Die Hoffnung sei, dass die Unterhaltungskosten unter städtischer Regie gesenkt werden könnten, da die Stadt bereits 17 Friedhöfe im Stadtgebiet betreibe. Die Verhandlungen mit der Stadt seien jedoch noch nicht abgeschlossen.
Unabhängig davon sei die Entscheidung des Presbyteriums, den Friedhof Ende 2026 unter der Trägerschaft der evangelischen Kirchengemeinde zu schließen, bereits beschlossen worden.
Nach mehrfacher Nachfrage aus dem Publikum wurde schließlich auch die Höhe des jährlichen Defizits genannt. Dieses belaufe sich auf rund 40.000 Euro pro Jahr.
Anmerkungen der Redaktion:
Der Bericht stellt lediglich eine kurze Zusammenfassung der Informations-veranstaltung dar. Bewusst wurde auf die Wiedergabe einzelner Aussagen sowohl von Besuchern als auch des Presbyteriums verzichtet. Hintergrund ist auch die persönliche Verbindung des Verfassers zum Thema:
Als evangelischer Einwohner Netphens und mit familiären Wurzeln, die eng mit diesem Friedhof verbunden sind, besteht eine besondere Nähe zu diesem Ort.
Zeitweise stand sogar die Überlegung im Raum, ganz auf eine Berichterstattung zu verzichten.
Dennoch betrifft die Diskussion aus Sicht der Redaktion nicht ausschließlich die evangelischen Bürgerinnen und Bürger Netphens. Schließlich geht es um einen Friedhof mit einer über 1000-jährigen Geschichte, dessen Zukunft wegen einer vergleichsweise geringen Summe zur Debatte steht.
Bild und Bericht: Nico Eggers
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