Friedhofschließung 

Wird noch nach Lösungen gesucht ? 

Oder wartet man darauf,
dass die Aufregung nachlässt?

 

Netphen 03-06-26 NE Die geplante Schließung des evangelischen Friedhofs an der Martini-Kirche in Netphen sorgt seit Wochen für Diskussionen, Enttäuschung und zunehmend auch für Verärgerung.

 

Viele Angehörige und Grabnutzungsberechtigte stellen sich die Frage, ob das Presbyterium der Evangelisch-Reformierten Kirchengemeinde Dreieinigkeit die Sorgen der Betroffenen noch ernst nimmt – oder ob man inzwischen daraufsetzt, dass sich der Protest mit der Zeit von selbst erledigt.

 

Doch die eigentliche Kritik vieler Bürger richtet sich längst nicht mehr allein gegen die Entscheidung selbst, sondern gegen den Umgang damit.

Nach Informationsveranstaltungen blieben zahlreiche Fragen offen.

Besonders emotional diskutiert werden Fälle, in denen Angehörige befürchten, künftig nicht mehr neben bereits verstorbenen Familien-mitgliedern beigesetzt werden zu können. Berichte über solche Einzelschicksale haben die Debatte zusätzlich verschärft.

 

Bei der Veranstaltung am 11. Mai wurden Fragen der Betroffenen gesammelt, die dann über die Homepage der Kirchengemeinde beantwortet werden sollten.


Nach nun 3 Wochen ist keine Frage weder online noch in Schriftform seitens der Kirchengemeinde beantwortet worden. (Denn es sind auch mehrere Schreiben an die Kirchengemeinde gesendet worden, die bisher unbeantwortet blieben.)

Während die Kirchengemeinde auf die wirtschaftlichen Zwänge verweist, entsteht bei Kritikern der Eindruck:

- Ist die Entscheidung längst unumkehrbar?

- Werden Einwände lediglich zur Kenntnis genommen?

Genau hier setzt die Frage an:
Wird noch nach Lösungen gesucht

– oder wartet man darauf, dass die Aufregung nachlässt?

 

Gerade weil der Friedhof nicht irgendeine Einrichtung ist, sondern ein Ort der Erinnerung mit einer jahrhundertelangen Geschichte, erwarten viele Bürger Transparenz, nachvollziehbare Antworten und echte Gesprächsbereitschaft.

 

Der Verweis auf finanzielle Schwierigkeiten allein wird von vielen nicht als ausreichende Erklärung empfunden. Zu groß ist die emotionale Bedeutung des Friedhofs für Familien, deren Angehörige dort seit Generationen ihre letzte Ruhe gefunden haben.

 

Denn eines zeigt die aktuelle Diskussion deutlich:
Die Entscheidung mag gefallen sein. Die Debatte darüber ist es noch lange nicht.

Wenn man dann die Stellungnahme der Superintendentin Pfarrerin Kerstin Grünert in WDR-Lokalzeit hört:
„Wir müssen Entscheidungen treffen, die weh tun. Die auch richtig, richtig Mist sind!
Frag man sich, sucht man eigentlich nach anderen Lösungen? Oder will man einfach den Friedhof auf Biegen und Brechen loswerden?

 

Auch hört plötzlich von Frau Grünert, dass man seitens des Presbyteriums prüfen würde, wie mit schon gekauften Gräbern umgehen werden soll.

 

Warum werden die Betroffenen nicht über die Prüfung informiert?

Die Dreharbeiten der WDR-Lokalzeit hatten sich in Netphen wie ein Lauffeuer herumgesprochen.
Rund 40 Bürgerinnen und Bürger fanden sich daher zu dem Termin ein, um die Aufzeichnungen zu begleiten. Neben verschiedenen Szenen wurden auch mehrere Interviews auf dem Friedhof geführt. Aufgrund der begrenzten Sendezeit konnten jedoch leider nicht alle aufgezeichneten Beiträge in der ausgestrahlten Reportage berücksichtigt werden.

 

Bei dieser Zusammenkunft wurde aus dem Kreis der Anwesenden beschlossen, sich in der kommenden Woche erneut zu treffen, um die Gründung einer Bürgerinitiative zu beraten.

Ziel ist es, gegenüber der Kirchengemeinde mit einer gemeinsamen Stimme aufzutreten und die Interessen der Bürgerinnen und Bürger gebündelt zu vertreten.

 

Bilder und Bericht: Nico Eggers

Großer Unmut bei Infor-mationsveranstaltung zur geplanten Schließung des Netphener Friedhofs!

 


Netphen 12-05-26 NE Am gestrigen Abend fand im evangelischen Gemeindehaus in Netphen eine Informationsveranstaltung zur voraussichtlichen Schließung des Friedhofs in Netphen statt. Auf der Homepage der evangelischen Kirche hieß es im Vorfeld: „Darum laden wir alle Nutzungsberechtigten an Grabstätten ein zu einer Informations-veranstaltung.“

 

Im Verlauf der Veranstaltung wurde jedoch deutlich, dass zahlreiche Nutzungsberechtigte keine direkte Einladung durch die Kirchengemeinde erhalten hatten, sondern erst über die Presse von dem Termin erfahren hatten. Einen konkreten Grund dafür konnte das Presbyterium nach eigenen Angaben nicht nennen.

 

Pfarrer Münker begrüßte rund 200 Besucherinnen und Besucher. Bereits zu Beginn wurde der Unmut über die unvollständige Information der Betroffenen aus dem Publikum deutlich. In seinen Ausführungen erklärte Pfarrer Münker, dass der Friedhof bereits seit mehreren Jahren nicht mehr kostendeckend betrieben werden könne. Das entstandene Defizit sei bislang aus Haushaltsmitteln der evangelischen Kirchengemeinde ausgeglichen worden. Dabei wurde darauf hingewiesen, dass die Haushalte der Kirchengemeinde und des Friedhofs getrennt geführt würden.

 

Das jährliche Defizit habe sich seit 2021 kontinuierlich erhöht. Auch auf Druck des Kirchenkreises habe das Presbyterium schließlich beschlossen, den Friedhof zum 31. Dezember 2026 stillzulegen. Superintendentin Kerstin Grünert bestätigte, dass die finanzielle Situation des Friedhofs bereits seit längerer Zeit Thema gewesen sei. Der Kirchenkreis habe Anfang 2026 darauf gedrungen, keine weiteren Mittel aus dem Haushalt der Kirchengemeinde für den Friedhof bereitzustellen.

 

Während der Veranstaltung wurde klargestellt, dass bestehende Grabstätten bis zum Ablauf der jeweiligen Liegezeiten erhalten bleiben sollen. Neue Bestattungen seien ab sofort nur noch in Urnengräbern möglich. Bereits erworbene, aber noch nicht genutzte Grabstätten sollen rückabgewickelt und die gezahlten Beträge erstattet werden.

 

Dies bedeutet auch, dass künftig keine gemeinsamen Bestattungen mehr möglich sein könnten, wenn ein Ehepartner bereits auf dem Friedhof beigesetzt wurde. Diese Regelung sorgte für deutliche Unruhe unter den Anwesenden. Eine Besucherin äußerte unter anderem: „Meine Eltern waren 60 Jahre zusammen und sollen nun im Tod nicht mehr zusammen sein.“

 

Nach Angaben von Pfarrer Münker habe die Kirchengemeinde bereits Gespräche mit der Stadt Netphen aufgenommen, um eine mögliche Übernahme des Friedhofs durch die Stadt zu prüfen. Die Hoffnung sei, dass die Unterhaltungskosten unter städtischer Regie gesenkt werden könnten, da die Stadt bereits 17 Friedhöfe im Stadtgebiet betreibe. Die Verhandlungen mit der Stadt seien jedoch noch nicht abgeschlossen.

 

Unabhängig davon sei die Entscheidung des Presbyteriums, den Friedhof Ende 2026 unter der Trägerschaft der evangelischen Kirchengemeinde zu schließen, bereits beschlossen worden.

 

Nach mehrfacher Nachfrage aus dem Publikum wurde schließlich auch die Höhe des jährlichen Defizits genannt. Dieses belaufe sich auf rund 40.000 Euro pro Jahr.

 

Anmerkungen der Redaktion:

 

Der Bericht stellt lediglich eine kurze Zusammenfassung der Informations-veranstaltung dar. Bewusst wurde auf die Wiedergabe einzelner Aussagen sowohl von Besuchern als auch des Presbyteriums verzichtet. Hintergrund ist auch die persönliche Verbindung des Verfassers zum Thema:

 

Als evangelischer Einwohner Netphens und mit familiären Wurzeln, die eng mit diesem Friedhof verbunden sind, besteht eine besondere Nähe zu diesem Ort.

Zeitweise stand sogar die Überlegung im Raum, ganz auf eine Berichterstattung zu verzichten.

 

Dennoch betrifft die Diskussion aus Sicht der Redaktion nicht ausschließlich die evangelischen Bürgerinnen und Bürger Netphens. Schließlich geht es um einen Friedhof mit einer über 1000-jährigen Geschichte, dessen Zukunft wegen einer vergleichsweise geringen Summe zur Debatte steht.

 

Bild und Bericht: Nico Eggers

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