Ein Netpher in Pakistan

Reisebericht von Klaus J. Stanek

Polio in Pakistan - vergessen geglaubter Schrecken

Polio, auch als Kinderlähmung bekannt, hat in Deutschland und den meisten Staaten der Welt seinen Schrecken verloren. Jahrelang war Pakistan das einzige Land der Welt, wo immer noch Polio-Fälle auf-tauchten. Mittlerweile haben sich andere Staaten wie Libanon, Syrien und Libyen dazugesellt, die über islamistische Kämpfer von Pakistan dorthin verschleppt worden sind. Wer aus Pakistan nach einem längeren Aufenthalt ausreisen möchte, benötigt zwingend eine Polio-Impfung oder wird nicht aus dem Land gelassen, so die Vereinbarung mit der Weltgesundheitsorganisation WHO.

 

Polio-Fälle in Talibangebieten

In den letzten Jahren sind in Pakistan immer wieder Fälle von Kinder-lähmung aufgetreten, vor allem in den Stämmesgebieten im Norden, in denen auch die Taliban Macht ausüben. Ein Mythos hält sich dort hart-näckig: Angeblich sei Polio eine Entwicklung der CIA und mit der Im-pfung wollen die USA die Leute gefügig machen. Tatsächlich hatte eine Impfung der Neffen von Osama bin Laden dabei eine Rolle gespielt. Als die USA noch auf der Jagd nach bin Laden waren, haben sie über eine Impfung der Neffen des Al Qaida-Führers versucht, an entsprechendes Gen-Material zu kommen, um eine eventuelle genetische Identifizierung möglich zu machen, wie mir ein Informierter bestätigte. Viele konser-vative Imame, die den Taliban nahestehen, warnen daher vor der Im-pfung, die viele Menschen retten kann und macht es den Ärzten vor Ort schwer, eine Impfkampagne durchzuführen.

Islamabad Polio-frei

In den Gebieten um Islamabad herum ist diese Einstellung nicht so groß und die grundsätzliche Impfbereitschaft größer, wenn auch nicht flächendeckend. Zwar werden immer Impfaktionen angeboten, an denen im Punjab mittlerweile 50.000 Kinder in 2015 sich haben impfen lassen.

Ich hatte die Gelegenheit, ein Polio-Rehabilitierungszentrum in einer ländlichen Gegend im Bundesstaat Punjab zu besuchen, das von Dr. Atta-Ur-Rehman Javaid (60) geleitet wird. Mit großem Engagement betreibt er seine Klinik und verweist mit Stolz auf seine Erfolge. So klärt er zur Impfung gegen neun in Pakistan vorkommenden Infektionskrank-heiten intensiv mit Plakaten oder Bannern auf. In seiner Klinik findet regelmäßig Impfaktionen statt. Beratungsteams aus 2 Freiwilligen gegen von Haus zu Haus, um aufzuklären und die Impfung auch vor Ort durchzuführen.

In manchen Teilen des Landes müssen diese Impf-Team aber unter Personenschutz ihre Arbeit ausführen und werden dann jeweils von einem bewaffneten Polizisten begleitet. Eine Bedrohung seiner Mitar-beiter oder auch seiner Person verneinte er. Gleichzeitig wies Dr. Jaivaid darauf hin, dass alle Leistungen seiner Klinik kostenfrei wären und aus Spenden finanziert werden, die u.a. Rotary international aufbringt, in den letzten zwanzig Jahren immerhin 200 Millionen US-$.

Infektionszahlen rückläufig

In 2015 gab es nur drei Neuinfektionen in Pakistan, die alle in den Nordge-bieten zu verzeichnen waren. Unter anderem spielt dabei eine Rolle, dass man die Imame und Mullahs in die Aufklärung mit einbezogen hatte und die Anzahl der Geistlichen, die immer noch gegen die Impfungen wettern, rückläufig ist. Mittlerweile werden sogar in Freitags-predigten die Impfprogramme gegen Polio mehrheitlich in den Moscheen unterstützt.

Dies erklärte Dr. Javaid zu einem großen. Erfolg. "Impfung und Religion stehen nicht im Widerspruch." so Dr. Javaid.

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