Ein Netpher in Pakistan

Reisebericht von Klaus J. Stanek

Islamabad

Besuch des Parlaments und der Chamber of Industry and Commerce

Präsidentenpalast in Islamabad

Heute morgen waren wir um 5 h Ortszeit im Hotel unter Polizeischutz vom Benazir Bhutto Airport Islamabad angekommen. Nachdem ich noch schnell einen ersten Bericht geschrieben und geduscht hatte, bin ich dann glücklich um 7 h ins Bett gefallen.

 

Um 12 h kam der Weckruf und um 13 h ging es zu unserem ersten offiziel-len Termin ins Parlament von Pakistan - alles unter starken Sicherheitsvor-kehrungen und Polizeischutz.

Unser Geleitschutz und unser Fahrzeug
Begrüßung des Vorsitzenden des DPV, Christian Zarm durch den Sicherheitsoffizier des Parlaments.

Am Eingang von einem Sicherheitsbeamten empfangen gingen wir ins Konferenzzimmer, wo uns der Vorsitzende der deutsch-pakistanischen Parlamentariergruppe, der Abgeordnete Syed Ghulam Mustafa Shah von der Pakistan People Party, der gegenwärtigen Oppositionspartei, begrüßte. Weiter die Abgeordnete Shahida Akhtar Ali an dieser Besprechung teil, eine Dame, die trotz vollständiger Verschleierung freundlich und engagiert an der Diskussion teilnahm.

 

Das pakistanische Wahlsystem ist an das eng- lische Mehrheitswahlsystem angelehnt, so dass pro Wahlkreis nur der Abgeordnete mit den meisten Stimmen einen Sitz im Parlament erringt. 

Weiter besitzt Pakistan ein Zwei-Kammer-System, wo neben dem Parla-ment eine Kammer besteht, in der nach Regionen und deren Einwohnerstärke Abgeordnete vertreten sind.

Syed Ghulam Mustafa Shah, Vorsitzender der deutsch-pakistanischen Parlamentariergruppe, im Gespräch mit uns

Wo die Wirtschaft stark ist

Die Wirtschaft ist momentan recht schwach, weil der Staat zu viel Gelder für die Bekämpf- ung des Terrorismus ausgeben müsse, anstatt die Infrastruktur und Ökonomie zu fördern. Man müsse noch Meilen gehen für eine bessere Ökonomie, meinte der Abgeordnete. Die Hauptwirtschaftszweige lägen im Bergbau und in der Textilindustrie.

 

 

 

Pakistanische Asylbewerber

Ein weiterer Aspekt war die Flüchtlingspolitik, da auch viele Menschen aus Pakistan nach Deutschland kommen, um hier Asyl zu beantragen. Seitens der Politik kann man dieses Ansinnen nicht unterstützen, da zwar eingeräumt wird, dass es Regionen gäbe, in denen Menschen durch Kriegshandlungen vertrieben würden, aber innerstaatliche Fluchtmöglichkeiten bestünden durchaus. Weiter würde die Regierung sich um solche Menschen verstärkt kümmern und diese finanziell unterstützen.

Eine Möglichkeit, diese Aussage zu überprüfen, hatten wir jedoch nicht. Allerdings konnten wir auf unserem Hinflug mit einer Gruppe von ca 30 - 40 Personen sprechen, die aus der Türkei nach Pakistan abgeschoben worden sind - ausschließlich junge Männer - und die erhebliche Angst hatten, sich fotografieren oder auch nur zeigen zu lassen, dass sie mit Journalisten sprechen.

Während der Einreiseabfertigung waren sie mit pakistanischen Ersatz- dokumenten versehen und wurden zusammen von der Polizei befragt. Irgendwelche Repressalien konnten wir nicht beobachten. Ihr Ziel war Europa. Eine politische Verfolgung wird jedoch seitens der offiziellen Stellen bestritten. Sie werden als Wirtschaftsflüchtlinge bezeichnet, die den Ruf Pakistans im Ausland beschädigen würden.

Präsident IHK Muzzamil Hussain Sabri
Zubair Ahmad Malik, eh. Präsident IHK Islamabad

Pressefreiheit?

Ein weiterer Aspekt des Gesprächs war die Sicherheit von Journalisten und es wurde ein Zusammenhang zwischen den Erfolgen des Militärs im Kampf gegen den Terrorismus und der zunehmenden Freiheit der Berichterstattung gesehen. Ob allerdings nur Al Qaida und verwandte Gruppen die Pressefreiheit einschränken, mag zweifelhaft erscheinen.

 

Indien unterstützt den Terrorismus

Auch die Beziehungen zum Nachbarland Indien werden sehr kritisch gesehen. Zwischen den beiden Staaten gibt es nahezu kein Vertrauen, weil jede Seite der anderen unterstellt, Schaden anrichten zu wollen. So wurde Indien beschuldigt, Terroristen in Beluschistan, einer pakistanischen Provinz, zu unterstützen. Indien wolle Instabilität in Pakistan und liefere dafür Waffen und Geld. Leider musste diese interessante Diskussion beendet werden, weil die deutsche Botschafterin den nächsten Termin hatte und wir fuhren zur Industrie- und Handelskammer, wo wir schon erwartet wurden.

 

Trekkingtourismus

In großer Runde mit Präsidenten, ehemaligem Präsidenten und drei Vize-präsidenten wurden wir herzlich empfangen. Die Chamber of industry and commerce of Pakistan will als weiteren Wirtschaftszweig den Tourismus weiter ausbauen und wieder zu der Stärke kommen, wie er in den 1970er Jahren war. Pakistan besitzt im Norden einigen sehr hohe Berge, u.a. den zweitgrößten der Welt, den K2.

Man macht sich Hoffnung, weiter einer Verbesserung der Sicherheitslage den Trekkingtourismus weiter ausbauen zu können, aber auch den Me-dizintourismus, da Pakistan für viele asiatische Staaten eine preiswertere Medizin bieten könne, als andere Staaten. Auch hofft man, Buddhisten anziehen zu können, da Pakistan einige buddhistische Relikte besitze, die touristisch vermarktet werden könnten.

 

Ist der Westen schuld am Terror in Pakistan?

Inhalt ging es erstaunlicherweise dann wieder um die internationale Politik, was durch den ehemaligen Präsidenten der Kammer angeregt wurde. So machte er darauf aufmerksam, dass Pakistan einen hohen Preis für die Bekämpfung des internationalen Terrorismus bezahlen müsse, der mittlerweile über eine halbe Billion US-Dollar gekostet habe.

"In den 1970er Jahren gab es einige Volksmuddshaheddin, die durch den Westen protegiert wurden, weil sie gegen den Kommunismus gekämpft haben, heute sind die gleichen Al Quaida oder Islamischer Staat und Pakistan zahlt die Rechnung dafür. Der Westen hat dieses Phänomen kreiert." sagte er recht deutlich.

"Wir haben genug vom Krieg und Terror, jeder pakistanische Haushalt hat mittlerweile durch diesen Terror gelitten. Das Land wurde technologisch stranguliert, weil das Geld für die Sicherheit gebraucht wurde. Natürlich haben wir Probleme, aber wir haben eben nicht alle selbst gemacht." Ein sehr anschaulicher Beitrag, wie ich finde.

 

Einschränkung der Pressefreiheit?

Zur Pressefreiheit meinte er, dass diese nicht ohne Verantwortung der Journalisten ginge, die sich auf ein Thema stürzten, aber keine Verant-wortung für die Folge übernehmen. So sehr dem ersten Beitrag beizu-pflichten war, so bedenklich ist der zweite, weil dies eine Einschränkung der Pressefreiheit bedeutet.

 

Ohne Korruption geht gar nichts

Ein weiteres Problem wäre die Korruption, die ein integraler Bestandteil der Gesellschaft wäre. Man müsse endlich durchgreifen und die Per-sonen vor Gericht stellen. Das passiert allerdings zu wenig bis gar nicht.

Hier finden Sie uns

Netphen-Online.de

Redaktion:

Futura Druck + Verlag

Lahnstraße 18

57250 Netphen

Kontakt

Nutzen Sie unser Kontaktformular.

Druckversion Druckversion | Sitemap
© by Futura Druck + Verlag, Nico Eggers eK - 2017