Ein Netpher in Pakistan

Reisebericht von Klaus J. Stanek

Netphen-Online in der Heimat von Malala

Malala bekam als jüngste Preisträgerin der Geschichte  überhaupt 2014 den Friedensnobelpreis für Ihr Eintreten für die Rechte von Mädchen auf Bildung vor allem in islamischen Staaten. So wichtig dies auch ist, in ihrer Heimat ist sie umstritten.

 

Netphen-Online in der Heimat  von Malala

Malala stammt aus dem Swat-Tal im Norden Pakistans nahe der Grenze zu Afghanistan, das 2008 von den Taliban erobert wurde. Diese führten umgehend die Scharia ein und verboten Mädchen, die Schule zu besuchen oder sonst Bildung zu erlangen. Nach dem streng konservativen und bei den meisten Moslems als nicht mit dem Islam vereinbar erklärten Weltbild der Taliban, gehören Frauen dem Mann und dem Haus und sind für Erziehung der Kinder und Haushalt sowie dem Wohlgefallen des Ehemannes zuständig. Bildung mache sie ungezogen und verhindere die Durchführung ihrer Aufgaben.  

 

Taliban eroberte das Swat-Tal

Die Taliban vollstreckten ihre Weltordnung mit einer konsequenten Brutalität. Widerstand sollte schon im Keim erstickt werden. Die Regierung ließ sich die Übernahme nicht gefallen und eroberte das Swat-Tal nach schweren und verlustreichen Kämpfen zurück. Malala war wehrte sich gegen dieses Frauenbild

 

Attentat auf Malala

Malala stammt aus einem Lehrerhaushalt und kennt deswegen Bildung und ihre Bedeutung von klein auf und ging trotz Verbots weiter zur Schule. Wegen ihrer unbeugsamen Art und weil sie dies auch öffentlich kommunizierte, geriet sie schnell in das Visier der Extremisten. Eines Tages stürmten einige Taliban den Schulbus und schossen Malala in den Kopf. Sie überlebte schwer verletzt, konnte aber gerettet werden. Als Ihr Schicksal in die Welt hinaus ging und Malala sich nicht einschüchtern ließ, wurde sie zur Heldin. Vor allem hatte sie den Rückhalt ihrer Eltern. Sie wurde interviewt und trat öffentlich auf und ihr Einsatz für die Rechte von Mädchen und Frauen auf Bildung ging in die Welt.

 

Sie wurde weiter bedroht

Malala und ihre Familie wurden aber weiterhin bedroht. So entschloss sich die Familie, Swat zu verlassen. Ihrem Engagement auf Bildung hat das keinen Abbruch getan.

 

Swat ist noch nicht befriedet

Das Militär hat die Provinz Swat mittlerweile zurück erobert und in weiter Teilen befriedet. Dennoch kommt es im Swat mit abnehmender Tendenz immer wieder zu Schießereien und Bombenabschlägen, in 2015 allerdings erst zu einer Schießerei.

 

 

Netphen-Online unter Militärschutz

Ausländischen Journalisten ist es daher nicht ohne weiteres möglich, das Swat zu besuchen. Ich wollte dennoch die Schule sehen und mir einen Eindruck machen, wie Malala dort gesehen wird. Mit Fahrer im Kleinbus von Islamabad aus ging es los Richtung Swat. Nach einer Strecke wartete das Militär auf uns und ab da ging es nur noch mit bewaffneter Begleitung weiter. Zuerst war es nur ein Militärjeep, dann zwei und bis zur Schule von Malala dann fünf Begleitfahrzeuge mit insgesamt 25 bewaffneten Soldaten. Positiver Nebeneffekt war, dass der Konvoi auch gleichzeitig die Fahrbahn freimachte. Die pakistanische Regierung wollte kein Risiko eingehen. An dem Tag passierten wir auch Peshawar, wo eine Autobombe 29 Menschen in den Tod riss.

 

Malala's Schule

In der Schule wurden wir freundlich von Lehrern empfangen und es kam zu einem kleinen Interview mit der Direktorin, die voll des Lobes über Malala war. Eigentlich ist es eine kleine und abgelegene Schule im schlichten Stil in einer Nebenstrasse. Niemand würde dort die Schule von Malala vermuten. Überall hänge Bilder von Malala und sie ist eine richtige Ikone dort geworden.

 

Viele sehen Malala kritisch

In der Bevölkerung allerdings wird Malala kritischer gesehen. Ihre Popularität führt bei einfachen und ungebildeten Leuten zu Neid und Missgunst. Man wirft ihr vor, dass sie gegangen sei und sich nicht mehr im Swat blicken ließe. Auch gibt es Vermutungen, dass ihr das Geld zu Kopfe gestiegen sei. GAnz anders sehen dies jedoch Liberale und Gebildete. Für sie ist Malala, das kleine Mädchen aus dem Swat, eine Heldin, die Mut und Zivilcourage besitzt, um das Problem der Bildung bei Frauen in die Weltöffentlichkeit getragen hat.

 

Über einige Nebenstrassen geleitet uns das Militär dann zu einer Modellschule, in der Jungen und Mädchen beschult werden. Dort werden wir von den kleinen Kindern feierlich empfangen. Ein Junge und ein Mädchen in traditioneller Kleidung  begrüßen uns auf Englisch und mit Blumen. Uns wird gezeigt, wie man zukünftig Bildung im Swat angehen will. 

 

Danach geht es zum Leid der Kinder, die nicht oft Besuch von internationalen Journalisten bekommen, mit dem Militär weiter.

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