Ein Netpher in Pakistan

Reisebericht von Klaus J. Stanek

Flüchtlinge aus Pakistan

Wir flogen von Frankfurt. Über Istanbul sollte es mit Turkish Airlines nach Islamabad gehen, während in Deutschland die vielen hunderttausend Flüchtlinge ankamen. Dass einige aus Pakistan kamen, hatten wir den Medien entnommen, aber eigentlich noch gar nichts verspürt.

In Istanbul wechselten wir den Flieger und starteten nach Pakistan. Irgendwann fiel uns auf, dass eine eine größere Gruppe junger Männer ganz hinten im Airbus A 330 saß und erkennbar niedergeschlagen war. Es waren Pakistani zwischen 18 und 30 Jahren alt, die sich auf dem Land-wege über den Iran durch die ganze Türkei geschlagen hatten und da-rauf warteten, mit einem Boot nach Griechenland überzusetzen, um die Balkanroute nach Mitteleuropa zu gehen, wie dies viele andere ge-macht hatten und auch noch jetzt tun. Aber in der Türkei sind sie auf-gefallen und wurden von der Polizei kontrolliert. Bei vielen anderen hat der türkische Staat weggesehen, sie ignoriert, aber diese Männer hatten Pech. Sie wurden von der Polizei festgenommen. Pässe oder gar Visa besaßen sie nicht.

 

Türkei schiebt Europa-Flüchtlinge nach Pakistan ab

Die pakistanische Botschaft in Ankara stellte ganz einfach Ersatzdoku-mente aus, einseitige Papiere mit einem Foto und mit vielen Stempeln, die sie als "Abgeschobene" brandmarkte. Reden wollten sie nicht mit uns, dafür hatten sie viel zu viel Angst. Ihre Familien waren enttäuscht. Wie würde die Polizei bei der Einreise reagieren. Sie waren aus einem armen Land geflohen, um sich eine bessere Zukunft zu ermöglichen. War der Staat jetzt auch sauer auf sie? Würden sie Nachteile in Kauf nehmen müssen, weil sie ein besseres Leben haben wollten?

 

Sie hatten viel Geld ausgegeben, um ihre Schlepper zu bezahlen und die Grenzen zu passieren, um immer weiter in den Westen zu gelangen. Ein Lebenstraum zerplatzte.

 

Angst vor einem Interview

Nur einer hatte den Mut, mit uns zu sprechen, über seinen Weg, seine zerplatzten Träume und der Angst vor einem Wiedersehen mit Pakistan. Und er war traurig. Vielleicht würde er es noch einmal versuchen, aber das sagte er nicht.

Angst vor Repression

Bei der Einreise In Islamabad stellte sich die Gruppe in die Schlange. Viel Gepäck hatten sie ja nicht. Nervös und desillusioniert standen sie da, als die Polizei sie in Empfang nahm. Die Polizei merkte, dass wir sie in Augen-schein nahmen, wurde die Stimmung besser und die Polizei freundlicher zu ihnen.

 

Offizielle Stellungnahme

Im Außenministerium und im Senat brachten wir die Flüchtlingssituation zur Sprache und fragten die offiziellen Stellen. Wir fragten nach politischer Verfolgung und den Fluchtgründen. In freundlicher Atmosphäre wurde man dort deutlich. Es gäbe keine politische Verfolgung in Pakistan, auch keine religiöse. Alle Pakistanis könnten ihre Meinung frei äußern und ihre Religion frei ausüben, sagte man uns. Auf dem Papier mag das so sein. In der Realität gilt das sicher nur mit Einschränkungen. Die Flüchtlinge aus Pakistan wurden von offizieller Stelle als Wirtschaftsflüchtlinge abgestempelt.

 

Für Journalisten ist Pakistan das gefährlichste Land der Welt

Pakistan ist für Journalisten das gefährlichste Land der Welt - noch vor Mexiko. Man muss eben aufpassen, was man sagt und zu wem man etwas sagt. Ob dies für die Normalbevölkerung gilt, vermag ich nicht zu sagen, aber mir haben die Jungs leid getan.

Hier finden Sie uns

Netphen-Online.de

Redaktion:

Futura Druck + Verlag

Lahnstraße 18

57250 Netphen

Kontakt

Nutzen Sie unser Kontaktformular.

Druckversion Druckversion | Sitemap
© by Futura Druck + Verlag, Nico Eggers eK - 2017